Kurzinformationen

Gebiet: Bündneroberland, Disentis

Karten und Führer: 1:25’000 Amsteg (Nr. 1212), Clubführer Urner Alpen Ost

Ausgangsort: Cavardiras Hütte, Disentis

Übersichtsfoto und -karte

cavardiras-suedgratcavardiras-suedgrat_topo-gross

 

Der Cavardiras-Südgrat, von Süden her gesehen. Karte der Topografie. (Zum Vergrössern anklicken!)

Übersichtsbeschrieb

Tolle, gut abgesicherte Granitkletterei in alpiner Umgebung. Ein früher Start ist angesagt, denn insbesondere mit Gruppen sollte die für den Abstieg benötigte Zeit nicht unterschätzt werden.

Die Verbindung der Begehung des Cavardiras S-Grates mit einem Ausflug auf den Oberalpstock, mit einem Klettergartentag in den SW-Wänden des Brichlig oder – wer es länger und schwieriger mag – einer Tour in den steilen SE-Abstürzen des Cavardiras E-Grates, ergibt ein ausgefülltes und erlebnisreiches Wochenende. Für die Zu- und Abstiege sind feste Schuhe und ein Pickel pro Seilschaft unbedingt ratsam.

Zustieg und Einstieg

(a) Von der Cavardiras Hütte zum Brunnigrätli und auf dem Wanderweg gegen S bis ans Ende der Ketten absteigen. Je nach Schneelage quert man nun etwas höher oder tiefer gegen E (Markierungen) und erreicht bald die Terrasse unter dem Brichlig W-Grat P 2640. Weiter Richtung E zum markanten Grateinschnitt am Fusse des Cavardiras S-Grates. 1h

(b) Wer direkt vom Tal kommt folgt dem Hüttenweg bis mindestens P 2432 aber besser bis kurz unter das Brunnigrätli und gelangt wie unter (a) zum Einstieg. Ab Plaun Tir 2h, ab Luftseilbahn Caischavedra 3h

Klassische Route mit Einstieg aus der Scharte

Direkt zur Scharte über ein kurzes aber steiles Schneefeld und durch eine zu Beginn unangenehme, schuttige Rinne. Standhaken auf der SE-Seite. H. Bernhard und Pius Condrau 1949.

Direkteinstieg

Statt über das steile Schneefeld hoch zur Scharte steigt man links der Zustiegsrinne am tiefsten Punkt ein und klettert in vier schönen, am frühen Morgen allerdings schattigen Seillängen über die Kante hoch zum Grat. Pietro Ghelfi und Martin Wiesmann am 7. August 1991. (5-, meist 4, 16 BH, KK, Schlingen)

Route

Die Kletterei folgt weitgehend der Gratkante. Einzig am 1. Turm kann man die oberste Seillänge links (westlich) umgehen und spart sich damit eine Abseilstelle (siehe Topo). Kletterzeit 3-5h

Fluchtwege

Es ist möglich, jedoch nicht empfehlenswert, über den unteren Teil des Grates abzuseilen bzw. abzuklettern. Hat man einmal vom 3. Turm nach NW abgeseilt muss man zwingend über den Gipfel.

Material

Sowohl der klassische S-Grat als auch der direkte Zustieg sind weitgehend mit Bohrhaken ausgerüstet. Friends 2 und 3 sowie einige KK und Schlingen zur zusätzlichen Absicherung sind empfehlenswert.

Abstieg gegen Norden zur Cavardiras Hütte

(a) Vom Gipfelkreuz über Bänder und Schutt gegen N ziemlich direkt auf ein Schneefeld (Gletscher) absteigen. Im Schnee horizontal nach links (NW) zum wenig ausgeprägten NE-Sporn des Brichlig queren. Nun den orangen Markierungen folgend zum unteren Drahtseil im Brichlig N-Grat. Sich immer direkt an den Gratrücken haltend hinab zur Fuorcla da Cavardiras und auf dem Wanderweg in wenigen Minuten zur Hütte. 3/4h

(b) Sofern die Gletschermulde auf der N-Seite blank aussieht, folgt man dem Verbindungsgrat hinüber zum Brichlig und steigt vom Gipfel an Drahtseilen und in leichter Kletterei über den N-Grat ab. 1 ¼h

Abstieg gegen Süden über den E-Grat

Vom Gipfelkreuz über schuttige Bänder in der N-Flanke Richtung E absteigen. Die Zacken im E-Grat umgeht man alle auf Schnee oder Schutt in der N-Flanke. Wo der E-Grat flach wird P. 2861, weiter nach E und die Abseilstelle auf der Südseite suchen. 2x25m gegen S abseilen und über Schnee- und Schuttfelder via Fontanei in die Val Clavaniev und zurück nach Plaun Tir. Schnellster Abstieg nach dem Plaun Tir. 3/4h bis zum Fuss der Abseilstellen.

Achtung: Alle vermeindlichen Abseilstellen zwischen Gipfel und P. 2861 führen in die langen Ostwand Routen und sind für den Abstieg nicht zu benutzen. Es ist offensichtlich, dass 2 mal Abseilen nicht reicht.

Abstieg gegen Süden via Brichlig SW-Flanke

In leichter Kletterei über den horizontalen Verbindungsgrat zum Brichlig hinüber. Vom Brichlig ca. 2 SL über den Westgrat absteigen bis zur ersten Gratscharte. Eine Sanduhrschlinge ist die erste Abseilstelle in der SW-Flanke des Brichlig. 6x20m (oder 3x40m) gegen S über die Route »Si non e Véro« abseilen. Ein breites Band (Schnee- oder Trittspuren) führt gegen W. Kurz vor dem Ende des Bandes muss man etwa 20m über einen steilen Hang zum Brichlig W-Grat aufsteigen. Nun in der N-Flanke auf Trittspuren weiter Richtung W zum Wanderweg auf dem Brunnigrätli (1 ½h vom Piz Cavardiras). Spät im Jahr, wenn die Nordflanke eingeschneit ist, dürfte dies der beste Abstieg sein.