Hey Kinder, kommt doch zu mir auf die Hütte!

Zu mir hinauf zu kommen ist schon etwas anstrengend, aber es lohnt sich! Wenn du dann oben bist, solltest du schon 2 bis 3 Nächte bleiben, um einige tolle Sachen zu erleben.

Mit 6 Jahren bin ich schon das erste mal alleine den ganzen Weg vom Plaun Tir her ufä gschuänet. Allerdings bei sehr schönem Wetter und einem Mittagschlöfli unterwegs. Mein Vater hat meine kleine Schwester im Huckepack getragen, meine Mutter puggelte einen Haufen z’Drinkä, die warmen Kleider und Handschuhe für auf den Gletscher.

Wanda und Aurel

Damals hatte mich mein Vater über das Brunnigrätli noch angeseilt mit einem kurzen Repschnurstückli, heute muss nur noch meine kleine Schwester an den Strick und ich hösele alleine so schnell über die Kletterstellen, dass mir keiner mehr nach mag. Dann hocke ich oben und schau den andern zu wie sie uä steigen. Wenn die dann auch endlich kommen, hab ich meine Gutärä mit Tee schon leer getrunken und wäre bereit um über den Gletscher weiter zu gehen. Natürlich wollen die Andern auch zerscht verschnaufen und die grandiose Aussicht bestaunen. Und wenn die Grossen so schwärmen merken die gar nicht, wie ich meiner Schwester einen Schleckstängel abschnurre. Das find ich nämlich gut, zum Wandern kaufen meine Eltern immer solche Sachen, die es sonst bei uns nicht gibt.

Jetzt verrate ich dir den kürzesten Weg zur Cavardiras Hütte

Von Disentis kann man mit dem Auto oder Taxi bis auf 1991 m. ü. M. ins Plaun Tir fahren. Das schmale Bergsträsschen heisst »Via Run« und die Sonderbewilligung bekommt man bei der Kantonspolizei in Disentis oder auf der Gemeinde-Kanzlei.

Von der Hütte im Plaun Tir folgt man dem Wanderweg durch Heidelbeerstauden und Alpenrosen zu P. 2083.7 und dann über die Wiese und an Wassertümpeln vorbei zu P. 2149 (Wegweiser). Für ein kurzes Stück wird der Weg nun schmal und das Port steil, sodass deine Familie schön hintereinander gehen sollte, und keiner wild umä gumpen darf. Danach geht es gemütlich bis P 2212 (Wegweiser), wo du auf den Weg triffst, der vom Lag Serein hoch kommt. Immer wieder kommen kleine Bächlein, und so steigst du ganz gäbig immer höher, bis du nördlich von P. 2432 auf eine steinige Ebene kommst mit einem Bächli. Hier ist es schön zum Zmittag essen, spielen und pfüselen. Im Zick-Zack geht es danach den »Grünä Hang« däruf. Oben kommt das grosse Bockfeld, wo du lässig chräsmen und klettern kannst. Nach P. 2586 wird es dann etwas zäch im Geröllfeld, manchmal gibt es auch noch Schnee. Doch dann kommt das Brunnigrätli, wo du vorsichtig sein musst. Die leichten Kletterstellen sind kurzweilig, und es gibt Ketten, um sich festzuhalten. Auf der Karte heisst das Brunnigrätli Brunnipass. Doch wenn du von P. 2739 den Wegmarkierungen folgst, ist es halt eben doch ein Grätli, und da musst du nochmals aufpassen und ja keinen Seich machen. Dann geht es den Schnee durab und über den Brunnifirn Richtung Nord-Osten – immer den orangen Töggeln nach. Schon bald siehst du dann die Hütte und kannst dich darauf verlassen, dass ich dir ein Gletscherwasser als Willkommenstrunk spendieren werde.

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Wie lange geht es?

Mit meinen Eltern brauche ich so etwa 4 bis 41/2 Std. vom Plaun Tir bis zur Hütte, viel viel länger, als auf dem Wegweiser angegeben.

Unterwegs

  • Auf der Tour wollen meine Schwester und ich auch Zeit zum Spielen haben oder in Munggenlöcher hineinschauen.
  • Wir machen immer ab, wo wir die nächste Pause machen. So kann ich voraus springen, oder wenn ich eine Krise habe muss ich mir nicht immer das blöde »äs isch nümä wit« anlosen.
  • Z’Trinkä nimmt meine Mutter immer sehr viel mit, 4 Liter im Minimum.
  • Sie achtet auch darauf, dass wir immer genug essen. Na ja, welcher Motor läuft schon ohne Brennstoff.
  • Über das Brunnigrätli müssen kleinere Kinder am Repschnürli gehen, findet mein Vater, der Hüttenwart. »Chindä kännäd kei alpini Gfohre, drum müänd die Erwachsänä ufs ufpassä«, findet er amigs. Trotzdem lässt er uns viel Freiheit im Ausprobieren und Finden unserer Grenzen.
  • Im Schnee ziehe ich immer Handschuhe an.
  • Im Gebirge braucht es immer gute Schuhe, warme Kleider, Kappe, Handschuhe und Sonnenbrille.

Anseilen vor der Hütte

Warum 2 bis 3 Nächte auf der Cavardiras Hütte viel zu kurz sind

  • Kristalle gibt es im ganzen Cavardiras Gebiet
  • Früher gab es da sogar Berufstrahler, die vom Verkaufen ihrer gefundenen Kristalle lebten.
  • Das Gebiet um die Hütte ist nicht gefährlich, sofern du nicht ums Verroden an das allersteilste Ort kletterst. Hilfsmittel braucht es auch wenige – gute Augen, Hammer und Meisel genügen schon. Die Umgebung der Hütte ist übersichtlich, sodass Kinder alleine losziehen können. Die Eltern kannst du in der Hütte lassen, dort können sie sünnelen, lesen und faulenzen. So sind sie nachher ausgeruht und mögen am Abend ein Spieli machen oder ein Büechli vorlesen.

Eigentlich ganz harmlos, je nach Verhältnissen muss man sich für den Piz Ault aber schon anseilen. Wenn du ein Gstältli mitbringst, kannst du ein Seil auf der Hütte ausleihen.

Am liebsten gehe ich von der Hütte über den Brunnifirn zur Fuorcla da Strem Sut P.2871 und von dort über den Nordgrat in abwechslungsreicher Blockkletterei auf den Gipfel.

Wenn die Gletscherspalten gut zu sind, ist es am lustigsten, über den Nord-Ost Hang abzurutschen. Wenn jemand dabei ist, der auf dem Gletscher drus chunnt, kannst du sogar auf einem Plastiksack durab fätzen, weil es unten schön ausläuft.

Zum Bergseeli kann man erst, wenn der Schnee weg ist

Von der Hütte führt eine markierte Route in ca. 1 1/2 Std. durch abwechslungsreiches Gelände zu einem Bergseeli (auf der Karte nicht eingezeichnet) südlich des Hinteren Stotzig Grat. Auf dem ersten Teil der Route sollten kleinere Kinder am Repschnürli angeseilt werden.

Das Wasser ist eisig kalt und weniger zum bädelen, schon mehr zum Spielen am Wasser, stauen und umleiten, sünnelen und pick-nicken oder Steinmannli bauen.

Martin und Wanda

»Si non e Véro« ist eine alpine Klettertour im 4. Grad

Diese schöne Ganztages- Rundtour über den Brichlig ist nur für »Cracks« mit alpiner Erfahrung und nicht unbedingt für Kinder im Vorstieg.

Der Zustieg erfolgt via Brunnigrätli zum Klettergarten auf der Südseite des Brichlig. Eine genaue Beschreibung findest du unter Klettertouren.Vom Ausstieg der Route »Si non e Véro« über den Süd-Westgrat in leichter Blockkletterei auf den Brichlig. Der Nordgrat vom Brichlig ist ein schöner Abstieg, er ist klettersteigähnlich ausgerüstet und markiert. Oder wieder über die Route abseilen. Diese Tour habe ich mit Zäni das erstemal gemacht, ganz schön lange, aber echt super.

Natürlich könnte ich dir jetzt noch viel andere Touren erklären, so etwa den Gwasmet gleich hinter der Hütte – den hab ich mit Viäri das erste mal bestiegen, seinen Südgrat hab ich mit 10 Jahren und viel Herzklopfen erklettert. Der ist unglaublich scharf und ausgesetzt, auch muss man da ganz schön aufpassen beim runterklettern.

Aurel beim Klettern

Oberalpstock

Der Oberalpstock musste ziemlich lange darauf warten, bis er von mir bestiegen wurde. Doch endlich habe ich auch das geschafft! Zugegeben, es war schon ziemlich »en Chrampf«, aber als ich dann da oben auf dem Gipfel stand, war ich schon ein wenig stolz! Das ist echt ein super Erlebnis! Beim Aufstieg herrschte übrigens schönstes Wetter, und der Himmel war blau. Doch als wir auf dem Gipfel waren, zogen plötzlich immer mehr Wolken auf. Da war ich froh, dass mein Vater dabei war. Der war schon zig Mal da oben und hat Livia, Isabel und mich dann auch wieder sicher zurück in die Hütte geführt. Wenn Du den Oberalpstock also auch einmal erklimmen willst, dann solltest Du schon jemanden bei Dir haben, der sich gut in den Bergen auskennt. Und Steigeisen, ein Gstältli, Seil und Pickel gehören auf einer solchen Tour sowieso dazu!

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Schwarzstöckli

Das ist einiges gemütlicher als der Oberalpstock, und angeseilt kannst du ganz nah an die grossen Gletscherspalten herangehen und hinunterschauen in die blauen eisigen Löcher.

So – jetzt hast du sicher genug gelesen. Komm jetzt einfach auf die Cavardiras Hütte und du wirst sehen, es ist überhaupt nicht übertrieben wenn ich sage, da oben ist der schönste Ort auf der ganzen Welt.

Deine Wanda

Kinder in der Küche